Mittwoch, 9. Juli 2008

Wahre Hundeliebe braucht keine Designernäpfe


Der heutige Eintrag musste einfach sein: zuerst schrieb mir meine Kollegin Nadja eine E-Mail und erzählte mir, dass sie am Montag Abend einen Bericht auf RTL gesehen hatte, der reiche Leute, die ihren Hunden extravagante Dinge kaufen, mit armen Menschen gegenüberstellte, die sich Hundefutter bei der “Hundetafel” holen müssen. Sie schrieb: „Diese reiche Dame präsentierte ihren Mops. Er hatte unzählige verschiedene Outfits, Hüte, Accessoires etc. Auf der anderen Seite wurde eine obdachlose junge Frau gezeigt, die, zusammen mit vielen anderen Menschen, jede Woche zur Hundetafel in Hamburg geht, um kostenloses Futter, abhängig nach Größe und Anzahl der Hunde, zu holen. Die Freiwilligen der Tafel sagten, die Situation würde immer schlimmer und dass sie in einer Woche sogar zumachen mussten, weil einfach kein Futter mehr da war. Die Frau sprach über ihren Hund, wie er ihr geholfen hat, von den Drogen wegzukommen und sich nachts zu ihr in den Schlafsack kuschelt.“

Als nächstes schickte mir meine Kollegin Christine einen Artikel über die immer schicker werdenden Hundetagesstätten. Eine Hundetagesstätte ist natürlich erst einmal eine gute Sache, aber ich finde, dass es einige Einrichtungen mittlerweile einfach übertreiben, indem sie Dinge wie Hundegesichtsmasken und importierte Produkte aus Frankreich, Shampoos, Cremes und Parfüm anbieten.

Der ultimative Auslöser kam, als mir mein Kollege Bob einen Bericht über ein japanisches Unternehmen schickte, das schon bald seine neuste Erfindung auf den Markt bringen wird: Klingeltöne, die nur Hunde hören können. Wie genau Hunde in irgendeiner Form davon profitieren können, wurde nicht erläutert. Ich glaube ehr, dass Hunde die Töne wahrscheinlich hassen werden, da sie sie nicht ausschalten und ihre menschlichen Begleiter sie nicht hören können.

Genau das ist doch das Problem mit all den schicken, glitzernden Produkten, die heutzutage für Hunde angeboten werden: sie nützen dem Hund einfach nicht. Man krieg alles, von Designer-Körbchen und diamantenbesetzten Halsbändern, bis hin zu Nagellack und Hundeparfüm – aber nützt nur irgendetwas davon Bello? Nein, der einzige, der davon profitiert, ist das „Herrchen“, das seinen Hund in Wirklichkeit nur benutzt, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Was will ein Hund also wirklich? Mein verstorbener Dobermann Shandy tat nichts lieber, als Pappkartons zu zerreißen. Dexter liebt es, Stofftiere aus dem Second-Hand Laden auseinanderzunehmen und Sarah freut sich ihres Lebens, wenn ich ihre eine Rolle Klopapier zum darauf rumkauen gebe. Und wie sieht’s mit den Körbchen aus? Eine zusammen gefaltete Decke kann sehr bequem sein. All diese Dinge müssen nicht schick oder modern sein. Nichts auf der Welt übertrifft die Geschenke der Liebe und Aufmerksamkeit – und das alles gibt es vollkommen umsonst!

Echte Hundefreunde besorgen ihren Kumpels deshalb einfache und lustige Spielzeuge und geben ihnen viel Liebe und Aufmerksamkeit (natürlich nicht zu vergessen: Grenzen und Struktur!). Und selbst wenn am Monatsende Geld übrigbleibt, fühlt sich ein echter Hundeliebhaber nicht verleitet, überteuerte, dumme und unnötige Dinge zu kaufen, die dem Hund sowieso nicht gefallen. Stattdessen denkt er darüber nach, wie er nicht nur seinem Hund, sondern auch anderen helfen kann, die nicht so viel Glück hatten und spendet das Geld, zum Beispiel an ein Tierheim, eine Tierrechtsorganisation oder unterstützt nützliche Kampagnen (http://action.peta.de/ea-campaign/clientcampaign.do?ea.campaign.id=880).

Echte Hundefreunde lieben alle Hunde!

Kommentare:

Hund & Herrchen Dirk hat gesagt…

gut auf den punkt gebracht! vielen dank. :)

bezüglich des körbchens: wir hatten früher auch ein gemütlich aussehendes kissen mit umrandung, doch dem "herrn beagle" gefiel das gar nicht. inzwischen gibt es nur noch eine simple decke, die knüllt er sich zusammen wie er es braucht und fertig. sieht weder schön noch gemütlich aus - aber dem hund scheint es zu gefallen.

Anonym hat gesagt…

Es geht hier wohl weniger um die Designernäpfe. Einem Hund ist völlig egal aus welchem Napf er frisst und wenn Frauchen es glücklich macht ihm ein Strasshalsband umzubinden - warum denn nicht? Irgendwo sollte man die Tolleranzgerenze noch wahren. Es schadet dem Hund nicht, also warum soll es dann nicht sein?

Was mir viel mehr Bauchschmerzen bereitet (und wie ich auf dem einen Chiuahua-Foto im Blog sah scheinbar selbst praktiziert wird) ist das Anziehen der Hunde mit albernen Klamotten. Einem Hund Kleidung anzuziehen ist nicht nur absolut lächerlich sondern bewiesenermaßen äußerst schädlich. Auf Dauer zerstört dies die Hautflora des Hundes, ebenso wie Baden, denn der Körper merkt, dass er keinen eigenen Schutz mehr braucht und schafft diesen ab. Ein schwaches Immunsystem, sogar Ekzeme und Haarausfall können die Folge der albernen Anzieherei haben. Das Kleidung einen Hund stört muss man wohl nicht erwähnen.

Wer seinen Hund also liebt und ihm was Gutes tun will kauft ihm eher einen Designernapf als ihn als Anziehpuppe zu missbrauchen.

Karen und Nadja hat gesagt…

Liebe/r Anonym,

ich kann Ihre Bedenken teilweise verstehen - viele Hunde, wie Huskies, kommen im Winter sehr gut ohne Kleidung aus. Hunde mit kurzen Haaren jedoch, wie z.B. Chihuahuas, Dobermänner, Boxer oder Dalmatiner, frieren sehr wohl und brauchen so manchmal etwas zusätzlichen Schutz. Wir sollten nicht vergessen, dass unsere domestizierten Hunde nicht so gut ausgestattet sind wie wilde Hunde oder Wölfe, was das kalte Wetter angeht. Sie wurden überzüchtet und kommen mit einigen Aspekten unseres Lebens einfach nicht mehr so gut klar. Ich bin deswegen der Meinung, dass es gut ist, einem zitternden Hunde mit kurzem Fell einen Pulli oder Mantel überzuziehen. Das soll auf keinen Fall lächerlich machen - es ist schlichtweg nützlich für den Hund.
Was Designernäpfe und schicke Halsbänder angeht: sicher schaden sie dem Hunde nicht. Ich stelle damit nur die Werte jener Personen in Frage, die angeben, Hunde zu lieben und doch so viel Geld für Dinge ausgeben, die ihren Hunden (oder anderen Hunden) nichts bringen. Warum sollte man das Geld nicht lieber in Spielsachen für den Hund investieren oder an das örtliche Tierheim spenden? Oder man könnte einem nicht so gut versorgten Hund in der Nachbarschaft damit auf Anfrage beim Halter kastrieren lassen. Es gibt im Tierschutz immer nur begrenzte Mittel - deshalb, so finde ich, sollten Menschen, die Hunde lieben, das immer im Hinterkopf behalten und versuchen zu helfen.

Viele Grüße, Karen