Donnerstag, 3. Juli 2008

Geschwisterkämpfe


Jedesmal, wenn meine Schwester von den Streitereien meiner Neffen berichtet, sprudelt es nur so aus mir heraus: “Oh wow – meine Hunde sind ganz genauso!” Glücklicherweise fühlt sie sich deshalb nicht beleidigt. Die Ähnlichkeit zwischen Hundegeschwistern und kleinen Jungs ist wirklich verblüffend. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass wir alle – Mensch wie Hund – die gleichen Dinge möchten: Aufmerksamkeit, Lob, Zuneigung, leckeres Essen… und uns alle ärgert es, wenn wir genau das nicht bekommen, oder jemand anders mehr davon erhält.

Ich dachte immer, es wäre schon in Ordnung, die Hunde ihre Sachen „unter sich ausmachen“ zu lassen, wenn es um die Rangordnung geht. Es mag vielleicht ok sein, wenn die Hunde allgemein recht gemäßigt sind oder keine große Rivalität besteht. Aber die Dinge können leicht außer Kontrolle geraten, wenn es sich um nervöse, streitlustige Hunde handelt, die sich nie so richtig mit dem Beißverbot anfreunden konnten. Ich erhielt einmal eine E-Mail mit ein paar Bildern von einer Bekannten, die mir schrieb, dass ihre Hunde einen „Spielunfall“ gehabt hätten. Es stellte sich heraus, dass ihr einer Hund den andren angegriffen hatte und bei ihm eine tiefe Bisswunde hinterlassen hatte – trotzdem dachte meine Bekannte noch, dass alles keine Absicht gewesen war und sie das schon unter sich ausmachen würden. Ich habe ihr geschrieben, dass sie während dieses Versuchs vielleicht sterben könnten und fragte sie, ob sie das wirklich riskieren wolle. Wenn nicht, sei es vielleicht klüger, gleich einen Hundetrainer oder Verhaltensexperten einzuschalten.

Als ich eine Kolumne für die interne Zeitung von PETA schrieb, erreichte mich folgende Frage:

(Meine Hündin) stellt meinem Hund nun schon seit Jahren im Garten hinterher und jagt ihn, tat dies aber bisher immer auf „verspielte Weise“. Rufus (Name geändert) konnte es aber trotzdem nie leiden. Gretel (Name geändert) suchte auch immer jedermanns Aufmerksamkeit und wenn man sie zu Hause allein ließ, erlaubte sie ihm nie, auch nur ein Spielzeug oder einen Kauknochen zu nehmen… Vor kurzem hat Gretel Rufus angegriffen und lässt ihn jetzt überhaupt nicht mehr auf die Terrasse.

Meine Antwort war folgende:

Ich glaube, was mit Gretel und Rufus passiert, ist ein ganz natürlicher Vorgang. Streitlustige Hunde neigen dazu, solange weiterzumachen, bis sie die Führung übernommen haben. Genau das tut Gretel jetzt, aber sie geht dabei zu weit. Du musst die Sache in die Hand nehmen und Gretel nicht erlauben, Rufus so zu behandeln. Wenn du siehst, wie sie ihn bedroht, wenn er auf die Terrasse will oder mit einem Spielzeug spielen möchte, unternimm etwas – geh so eindrucksvoll du nur kannst auf die beiden zu und mache ein Geräusch, das ihre Aufmerksamkeit auf dich ziehen wird, während du sie anschaust, um zu zeigen, dass du damit nicht einverstanden bist. (Ein simples „Nein“ genügt in diesem Fall nicht, sprich zu den Hunden in ihrer Sprache.) Sorge dafür, dass sie sich zurückzieht. Sie muss verstehen, dass du diejenige bist, die entscheiden kann, wer das Spielzeug bekommt und auf die Terrasse darf – nicht sie. Mach das einfach immer wieder, es wird bestimmt nicht lange dauern, bis sie die Botschaft verstanden hat und Gretel wird dir deswegen auch nicht böse sein. Sicherlich lernt sie sehr schnell, wie fast alle Hunde. Rufus wird dadurch zu einem wesentlich glücklicheren Hund werden. Ich konnte das Gleiche bei meinen eigenen Hunden Sunny und Dexter beobachten. Sunny genoss es geradezu, Dexter zu ärgern und ihn zu Boden zu werfen. Eines Tages lief eine Frau am Strand an mir vorbei und konnte beobachten, was Sunny tat. Plötzlich rief sie: „Lassen Sie ihn das nicht machen! Hey, hör auf!“ Es war, als wäre der Groschen bei mir gefallen. Ich sah ein, dass das nicht sein muss und die Entscheidung bei mir liegt. Von diesem Zeitpunkt an, ließ ich es nicht mehr zu und Dexter führt nun ein viel entspannteres Leben. Sunny übrigens auch – sie muss Dexter jetzt nicht mehr kontrollieren, weil sie weiß, dass ich das schon für sie mache… allerdings werfe ich ihn dabei nicht um.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns einmischen sollten, wenn es soweit geht, dass sich die Hunde nur die geringsten Verletzungen zuziehen könnten. Selbst wenn es für uns süß oder lustig aussieht, wie zum Beispiel, wenn ein kleiner Hund einen großen terrorisiert. Genauso verhielten sich meine Chihuahuas (http://petasdogblog.blogspot.com/2008/03/wie-kleine-biester-handzahm-werden.html) sie litten scheinbar unter einem Napoleonkomplex und meine großen Hunde fühlten sich langsam nicht mehr wohl. Also machte ich ihnen klar, dass die Kleinen nicht das Sagen hatten.

Cesar Millan, der „Hundeflüsterer“, sagt den Menschen immer, dass die Rangordnung in einem Haushalt mit Hunden immer nur auf zwei Ebenen verläuft: die Anführer (die Menschen) und die Unterlegenen (die Hunde). Das bedeutet, dass alle Hunde in einem Haushalt gleich sind – selbst wenn es sich um Besucher oder Pflegehunde handelt. Ich stimme zwar nicht in allen Punkten mit ihm überein, doch bei dieser Aussage sind wir uns fast komplett einig. Ich glaube, auf diese Art kann man Frieden in sein Haus bringen, denn niemandem sollte es erlaubt sein, sich grob oder gemein zu verhalten. Alle Hunde in einem Haushalt müssen nett miteinander umgehen, zumindest aber die anderen respektieren. Verhält sich jedoch einer wirklich aggressiv, sollte professioneller Rat hinzugezogen werden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh nein, bitte nicht den "Hundeflüsterer" Cesar Millan als leuchtendes Beispiel ausgerechnet auf der Peta-Seite erwähnen.
Dieser Typ brüstet sich mit der Erfindung des einzigartigen "Illusion Collar". In meinen Augen ein tierquälerisches Würgehalsband!

Karen und Nadja hat gesagt…

Lieber Dog Blog Leser, bitte nicht falsch verstehen, wir möchten Cesar Millan auf keinen Fall als Positivbeispiel nennen - sehen Sie zum Thema tierquälerische Halsbänder bitte http://petasdogblog.blogspot.com/2008/05/wer-wird-schon-gern-am-schopf-gepackt.html oder http://petasdogblog.blogspot.com/2008/04/wer-wrde-nur-freiwillig.html - wir stimmen lediglich in einigen wenigen Punkten mit ihm überein.
Vielleicht wird es demnächst einmal einen Eintrag zu diesem Thema geben - vielen Dank für die Anregung und Ihren Kommentar!