Dienstag, 16. Dezember 2008

Schnipp-Schnapp – eine Kastration ist gar nicht schlimm!


Dies ist ein Gasteintrag von meiner Kollegin Tanja, die ich gebeten hatte, ihr Wissen mit uns zu teilen. Vielen lieben Dank! :)


Immer wieder höre ich „Ne, ich lass meinen Hund nicht kastrieren. Das ist ein Eingriff in die Natur!“ oder auch „Unsere Hündin muss erst einmal Welpen bekommen haben, bevor sie kastriert wird.“ und ähnliche – mit Verlaub merkwürdige Argumente gegen die Kastration.
Mit diesen Vorurteilen möchte ich an dieser Stelle einmal – aus eigener Sicht und aus der Sicht der Tierarzthelferin – aufräumen.

Märchen Nr. 1 – eine Hündin muss einen Wurf Welpen bekommen

In deutschen Haushalten leben geschätzte 5,3 Millionen Hunde. Gehen wir mal davon aus, dass die Hälfte, also 2,6 Millionen, davon weibliche Tiere sind und jede Hündin einen Wurf von durchschnittlich 5 Welpen in Ihrem Leben bekommt, können wir uns wohl alle ganz schnell vorstellen, was dann passiert. Es würde jede Menge ungeliebten Nachwuchs geben und die ohnehin schon überfüllten Tierheime wären völlig überfordert. Schon allein aus dem Grund sollten Hündinnen schnellstmöglich kastriert werden.

Märchen Nr. 2 – eine Hündin muss mindestens eine Läufigkeit hinter sich haben, bevor sie kastriert wird

Aus meiner Erfahrung und meinen Erlebnissen während meiner Ausbildung zur Tierarzthelferin kann ich nur sagen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Denn zum einen kann auch schon die erste Läufigkeit eine ungewollte Schwangerschaft hervorrufen. Dann wären wir wieder bei dem Problem, wie in „Märchen 1“ beschrieben. Zu anderen sinkt das Krebsrisiko bei Hündinnen, die noch vor der ersten Läufigkeit kastriert werden, erheblich. Und schon nach der 3. Läufigkeit ist eine Tumorvorbeugung durch Kastration nicht mehr möglich. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken ist bei einer Kastration nach der 3. Läufigkeit genauso hoch, wie bei unkastrierten oder später kastrierten Hündinnen. Nun mögen Sie meinen, das Krebsrisiko sei generell nicht so hoch. Aus meinen Erlebnissen in der Kleintierpraxis muss ich leider Gegenteiliges berichten. Neben Kastrationen – sowohl bei Hündinnen, wie auch bei Rüden – wurden am häufigsten Mamatumore (Brustkrebs) operativ entfernt. Oft mit leider keinem guten Ausgang, da die Lebenserwartungen auch nach der Operation deutlich zurückgesetzt ist. Mamatumore gehören übrigens zu den häufigsten Krebserkrankungen einer Hündin. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hündin an Brustkrebs- oder Gebärmutterkrebs erkrankt, kann durch eine Kastration noch vor der ersten Läufigkeit um ein Vielfaches reduziert, oder gar komplett ausgeschlossen werden. Weiter leiden Hündinnen oft an Scheinträchtigkeiten, was besonders für die Psyche der Tiere – und oft auch für deren Halter - extrem belastend ist. Mit einer Kastration noch vor der ersten Läufigkeit sorgen Sie also für eine größere Wahrscheinlichkeit für ein längeres, leidfreies Leben der Hündin!

Märchen Nr. 3 – Eine Kastration ist ein Eingriff in die Natur

Eine Kastration ist ein operativer Eingriff und so gesehen natürlich auch ein Eingriff in die Natur. Aber stellen wir uns doch einmal folgende Situation vor: Ihr Hund läuft glücklich über die freien Felder und plötzlich kommt ein Auto, natürlich vie zu schnell, und erwischt Ihren Liebling bös. Er jault, blutet, kann nicht aufstehen und hat ganz augenscheinlich Schmerzen. Sicher würden Sie den Hund umgehend in die nächste Tierklinik bringen in der Hoffnung, dass durch eine Operation alles wieder gut wird. Ein Eingriff in die Natur? Besser den Hund liegen lassen und schauen was passiert? Oder nehmen wir ein anderes, weniger dramatisches Beispiel: Ihr Hund leidet zunehmend an einer Hüftgelenkdysplasie – kurz HD. Diese Erkrankung der Hüftgelenke kommt leider sehr häufig bei großen Hunden vor, dennoch gibt es hervorragende Methoden, dem Tier durch eine operativen Eingriff ein schmerzfreies Leben zu führen. Den Hund lieber weiterhin leiden lassen, statt zu operieren?
Beide Fälle sind unterschiedlich und doch im Grunde gleich. Durch eine Operation wird den Tieren zu einem leidensfreien Leben verholfen. Eine Kastration ist im Grunde nix anderes. Wie bei „Märchen 2“ beschrieben, beugen Sie wirklich schlimmen Erkrankungen bei Hündinnen vor. Doch auch Rüden können durch eine Kastration nur gewinnen.
Kastrierte Rüden neigen deutlich weniger zu aggressiven Rangkämpfen und auch im sozialen Geflecht in der Tier-Mensch Beziehung kommt es deutlich weniger zu „Auseinandersetzungen“.

Aus eigener Erfahrung:

Bei mir daheim wohnen derzeit 2 kastrierte Rüden. Rico kam mit ca. 8 Monaten aus Teneriffa zu mir und war damals glücklicherweise schon kastriert. Wir sind in unserem früheren Zuhause täglich mit einem großen Hunderudel – teilweise bis zu 30 Hunde – spazieren gegangen und ich habe Rico bis heute noch nie in einem wirklichen Rangkampf erlebt. Das mag sicher auch an seinem Charakter liegen, aber ganz klar hat die frühe Kastration dazu beigetragen. Nachdem Rico ca. ein halbes Jahr sehr unglücklich war, weil er allein als einziger Hund bei mir lebte – trotzdem wir täglich das Hunderudel getroffen haben – zog ein weiterer Hund bei uns ein. Eddy war damals erst 4 Monate alt und noch sehr welpenhaft. Rico und Eddy wurden mehr und mehr dicke Freunde, doch im Alter von ca. 8 Monaten wurde bei Eddy die hormonelle Veränderung sichtbar. Eddy wurde immer unruhiger und sobald wir auf andere Hunde trafen, hing er auch schon hinten drauf. Beim Spiel in der Hundegruppe verwandelte Eddy sich zu Ricos Rucksack und ließ gar nicht mehr von ihm ab. Ob er nun eine „begehrte“ Hündin und einen Rüden – egal ob kastriert oder nicht – vor sich hatte. Was sich hier vielleicht lustig liest, war doch in Wirklichkeit eine wahre Qual für den armen Eddy. Er wusste einfach nicht wohin mit seinen Hormonen. Deshalb wurde es für Eddy höchste Zeit. Die Kastration war ein schneller Eingriff, nach 10 Tagen konnten die Fäden gezogen werden und sehr schnell hat sich sein Verhalten wieder normalisiert. Eine wahre Freude – für Eddy und auch Rico!

Für mich war übrigens völlig klar, dass auch Eddy früh kastriert wird. Meinen früheren Hund Greeky, den ich als Welpen aus Griechenland gerettet habe, ließ ich anfänglich nicht kastrieren. Er ist nie einer läufigen Hündin hinterher gelaufen, hatte nie solche „Rucksackattacken“ wie Eddy und auch nie Rangprobleme mit anderen Hunden. Deshalb habe ich keinen Grund für eine Kastration gesehen. Ein fataler Fehler. Im Alter von 9 Jahren geschah es: Greeky konnte auf einmal keine Häufchen mehr machen. Ich und mein Tierarzt dachten zunächst an eine simple Verstopfung. Doch auch abführende Medikamente brachten keinen Erfolg und sein Bauch blähte sich immer mehr auf. Unser Tierarzt hat ein Ultraschall gemacht und einen großen „Körper“ im Bauch entdeckt. Sofort wurde er einer mehrstündigen Notoperation unterzogen, wobei Greeky sehr viel Blut verlor. Es hat sich herausgestellt, dass sich in seinem Bauch riesige Prostatazysten gebildet haben, die den Darm komplett einquetschten. Während der OP wurde er dann auch kastriert und klar war, dass sich derartige Zysten gar nicht hätten bilden können, wenn er früher kastriert worden wäre. Durch den hohen Blutverlust haben die Ärzte und ich 4 Wochen um das Leben von Greeky gekämpft. Er hat es geschafft und war dann doch – nach unendlicher Medikamentengabe und betropfen – wieder ganz der Alte. Leider haben sich im Alter von 11 Jahren Knoten im Brustbereich gebildet. Diese wurden entfernt und untersucht. Diagnose: bösartiger Brustkrebs – Überlebenschance sehr gering. 6 Monate konnte er noch ein hundsmäßiges, unbeschwertes Leben führen. Dann ging alles ganz schnell und wir haben ihn von seinem Leid befreit.

Für mich gibt es keinen einzigen Grund gegen eine Kastration – aber viele gute Grunde FÜR eine Kastration!

By the way: Oft spricht man bei weiblichen Tieren von einer Sterilisation, bei Männlichen von einer Kastration. Die beiden Begriffe haben aber nix mit dem Geschlecht zu tun. Bei einer Sterilisation werden lediglich die Eileiter durch trennt. Hierbei können die Tiere zwar keinen Nachwuchs zeugen/bekommen, sind aber weiterhin hormonell aktiv. Bei einer Kastration werden beim Rüden die Hoden, bei der Hündin die Gebärmutter entfernt. So wird die Hündin nicht mehr schwanger, bekommt keinen Gebärmutterkrebs, und das Brustkrebsrisiko sinkt (sofern sie vor der 1. -2. Läufigkeit kastriert wird).
Tiere werden also in der Regel generell kastriert, egal ob weiblich oder männlich.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Warum Tiere keine Geschenke sind…


Genau wie wir brauchen Hunde Liebe und die richtige Pflege, um sich voll entfalten zu können. Menschen, die Tiere verschenken, haben zwar meist gute Absichten, erkennen jedoch nicht, dass es schlichtweg unfair ist, jemandem ein Tier zu schenken, wenn man sich nicht absolut sicher ist, dass diese Person auch genau dieses Tier als tierischen Begleiter auswählen würde und bereit ist, ein Leben lang gut für das Tier zu sorgen.

Eine wichtige Entscheidung

Einen Hund oder ein anderes Tier in seine Familie zu holen, ist eine absolut wichtige Entscheidung. Man erklärt sich bereit, sich langfristig um das Tier zu kümmern, Zeit mit ihm zu verbringen und sein ganzes Leben lang für es zu sorgen.
Bevor Sie einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufnehmen, sollten Sie sich über Zeit und Geld bewusst werden, die mit der richtigen Pflege verbunden sind. Hat Ihr Partner die Zeit und die Geduld, sich mit dem Tier zu beschäftigen und es zur Stubenreinheit zu erziehen? Ist er oder sie bereit, Futter, Ausstattung (wie Spielzeug, Pflegeartikel, Leinen, Geschirre und ein Körbchen), Impfungen und Tierarztkosten, einschließlich Kastration, Flohbehandlung, Entwurmen und Notfallbehandlungen, zu zahlen?
Wenn sich eine Familie dazu entscheidet, ein Tier bei sich aufzunehmen, sollten alle Familienmitglieder zusammen in das örtliche Tierheim gehen, um ein Tier auszusuchen, nachdem alle Verpflichtungen und Aufgaben besprochen wurden. Kaufen Sie bitte niemals ein Tier aus dem Zooladen oder vom Züchter und lassen Sie das Tier kastrieren. Jedes Tier, das aus dem Zooladen oder vom Züchter gekauft wird, nimmt einem heimatlosen Hund oder einer Katze aus dem Tierheim das potentielle neue Zuhause weg.

Tiere sind kein Spielzeug

Kleine Kinder können Tieren oft unabsichtlich wehtun. Im Spiel kann es sogar vorkommen, dass sie ihnen die Knochen brechen oder tödliche Verletzungen verursachen. Welpen, aber auch andere Jungtiere wie Kätzchen, Kaninchen, Kücken, kleine Enten sind hierfür besonders gefährdet.

Wir mussten schon zu viele Geschichten über Kinder hören, die schon nach kurzer Zeit das Interesse an einem Hund verloren haben. Dann sind die Eltern gezwungen, die beste Entscheidung zu treffen, um das Problem zu „lösen“. So landet ein tierischer Begleiter häufig in einem überfüllten Tierheim oder wird unter Umständen sogar von Haus zu Haus weitergereicht, was eine Traumatisierung, Angstzustände und Verhaltensstörungen nach sich ziehen kann.

Kein “Happy End” für den Hund

Die Tierheime sind voll von Tieren, die als “Haustiere” einfach nicht mehr in die Pläne der früheren Besitzer gepasst haben. Ganz egal, wie gern sie sich um die Tiere kümmern möchten – manche Menschen, die Tiere geschenkt bekommen, fühlen sich einfach nicht bereit dazu, sich langfristig um einen tierischen Begleiter zu kümmern.
Leider geben viele Menschen Tiere, die sie geschenkt bekommen haben, schon kurze Zeit später in überfüllten Tierheimen ab. Im schlimmsten Fall werden die Tiere sogar einfach ausgesetzt oder beim Umzug zurückgelassen.

Was Sie tun können:

• Verschenken Sie niemals ein Tier. Wenn Sie alles mit dem zukünftigen Begleiter des Tieres besprochen haben und wissen, dass er oder sie ausreichend Zeit haben, sich um das Tier zu kümmern, wirklich dazu bereit sind und über die nötigen Mittel verfügen, um sich angemessen um ein Tier zu kümmern, dann schenken sie der Person doch einen Gutschein vom örtlichen Tierheim.
• Wenn Sie einen Markt, einen Flohmarkt oder eine andere Veranstaltung besuchen, wo Tiere verschenkt werden, dann klären Sie die Verantwortlichen auf. Wenn jemand Jungtiere verschenkt, machen Sie der Person die Risiken davon begreiflich – manche Menschen verkaufen Hunde und Katzen an Versuchslabore oder Händler, missbrauchen oder vernachlässigen sie.
• Versprechen Sie, niemals ein Tier aus dem Zooladen oder vom Züchter zu kaufen und Ihre tierischen Begleiter kastrieren zu lassen.

Freitag, 5. Dezember 2008

Die Tiertafel


Vor einigen Wochen habe ich einen Artikel über die tolle Arbeit der Tiertafel gelesen. Gründerin Claudia Hollm war so freundlich, mir einige Fragen für unseren Dog Blog zu beantworten...


Wie lange gibt es die Tiertafel schon und woher kam die Idee dazu?

Ich wurde Anfang 2006 durch einen Fernsehbericht, in dem das Schicksal einer Familie, mit zwei Kindern und einem Hund, und das Abrutschen in Hartz 4 gezeigt wurde auf das Thema aufmerksam. Da ging es wirklich am Ende des Monats ums nackte Überleben… und der Hund musste ins Tierheim. Und das alles wegen 30- 40 Euro. Das darf doch nicht sein und so wurde die Idee geboren.


Wie viele Tiertafeln gibt es in Deutschland?

Wir sind grade in der Vorbereitung zur Eröffnung der 20. Tiertafel! Informationen zu den Standorten finden Sie unter http://www.tiertafel.de/.


Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit für die Tiere?

Wir arbeiten ausschließlich mit den Mitgliedbeiträgen und Spenden. Wobei das Prinzip hauptsächlich auf Sach- und Dienstleistungsspenden gegründet ist. Natürlich wird auch Geld benötigt, aber das ist bei uns nicht der Motor, sondern nur das Schmieröl.


Woher erhalten Sie die Futtermittel? Stammen sie hauptsächlich aus Spenden?

Unsere Futterspenden bekommen wir zu 90% aus Spendern. Bisher mussten wir nur ganz, ganz selten etwas nachkaufen, weil es einfach nicht für alle reichte. Das ist zum Glück die große Ausnahme, da sowohl die Futtermittelhersteller als auch viele Privatpersonen "ihre" Tiertafel vor Ort, oder auch die Tiertafeln im Allgemeinen nicht vergessen.


Warum glauben Sie, müssen die meisten Ihrer „Kunden“ diesen Dienst in Anspruch nehmen?

Wir haben natürlich sehr viele Hartz 4 Empfänger, aber leider nimmt auch der Anteil der Senioren immer mehr zu. Das Thema Altersarmut hat Deutschland voll im Griff, es will nur keiner zugeben. Aber auch Obdachlose und kurzfristig in Not geratene Menschen finden den Weg zu "ihrer" Tiertafel.


Bieten Sie auch eine kostenlose medizinische Versorgung an oder arbeiten Sie mit einem Tierarzt zusammen?

Das ist in jeder Ausgabestelle anders. Wir haben Ausgabestellen, wo die Tierärzte auch mal vor Ort sind, oder Aktionen wie "Impftage" in unseren Räumen machen, oder wir arbeiten mit ortsansässigen Tierärzten zusammen, die unsere Kunden in Raten zahlen lassen und wir geben einen Zuschuss dazu. Das ist wirklich von Ausgabestelle zu Ausgabestelle verschieden.

Wie stehen Sie zum Thema Kastration? Raten Sie den Menschen, die die Tiertafel besuchen, dazu?

Wir fördern diese Eingriffe durch Kastrationszuschüsse und raten den Menschen dringend dazu.
Außerdem versuchen wir durch Aufklärung und im Extremfall auch mit Ausschluss aus der Tiertafel eine ungewollte oder gewollte Vermehrung zu verhindern. Es ist wichtig den Menschen zu zeigen, Tiere sind keine Handelsware, oder Harzt 4 Aufbesserung. Die Gefahr, dass sie bei der Tiertafel nicht mehr unterstützt werden, bei ungewollten Würfen, schreckt doch viele ab. Und mache verstehen auch, worauf wir mit diesen teilweise strengen Regeln hinauswollen.


Was sollte man bedenken, bevor man einen Hund zu sich holt?

Dabei geht es um den Charakter eines Tieres und des Menschen - welcher Hund passt zu mir und in mein Leben und natürlich: kann ich ihn mir leisten? D.h. Impfen, Ausstattung, Fressen und auch die nicht gewollten, aber leider immer wieder vorkommenden Tierarztkosten.
Warum glauben Sie, setzen sich die Menschen, die die Tiertafel in Anspruch nehmen, so für Ihre Tiere ein, wo Sie doch wohl oft selbst kaum genug zum Leben haben?

Die Tiere sind grade für Menschen, die arm sind oder grade arm geworden sind, oder gar am Rande der Gesellschaft leben, die letzten verblieben Sozialpartner. Sie sind Freund, Familie und Kontakt zur Außenwelt. Viele, die mit beiden Beinen im Leben stehen, einen Beruf haben, Freunde und ein geregeltes Einkommen, vergessen wie es ist, wenn man plötzlich alleine ist…

Mittwoch, 26. November 2008

Ein Graffiti vom U-Bahnhof in Berlin...

Wenn ein Hund nur darf, wenn er soll,
aber nie kann, wenn er will,
dann mag er auch nicht,
wenn er muss.

Wenn er aber darf, wenn er will,
dann mag er auch, wenn er soll,
und dann kann er auch,
wenn er muss ...

Denn schließlich:
Hunde, die können sollen,
müssen wollen dürfen ...

Freitag, 21. November 2008

Was unterscheidet uns vom Hund?


Klar, man sieht nicht viele Hunde oder Wölfe, die auf Bäume klettern oder auf ihren Hinterbeinen laufen… aber was ist mit der Persönlichkeit? Was geht in einem Hundegehirn vor, das sich von unseren Gedanken und denen anderer Primaten unterscheidet?
Viele Menschen wollen ihren Hund genauso behandeln, wie sie einen menschlichen besten Freund behandeln würden. Das hört sich zwar nett an, für die Hunde es aber ganz und gar nicht die beste Lösung. Natürlich ist jeder Hund anders, aber die Psychologie von Hunden bestimmt, dass jedes Hundrudel, dem auch Menschen angehören können, einen Rudelführer hat (selbst wenn das Rudel nur aus zwei Parteien besteht). Ein Hund ohne Rudelführer ist ängstlich und fühlt sich schutzlos und wird deshalb wahrscheinlich versuchen, selbst der Rudelführer zu werden, um diese Lücke zu füllen. Das kann in Aggression, übertriebenem Bellen, unangebrachtem Urinieren, Dominanzverhalten und anderem ausarten. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber – so sehr ich meine Hunde auch liebe – ich will nicht, dass sie mich kontrollieren. Das bedeutet, dass ich in der Rangordnung oben stehen muss, um die Bedürfnisse meiner Hunde zu erfüllen.
Aus Hundesicht ist das Gute an einem Rudelführer, dass er ihm Schutz und Struktur, Grenzen und Regeln bietet – all die Dinge, mit denen ein Hund sich sicher fühlt. Na, kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Genau, bei Kindern ist es ganz genauso.
Ein zweiter entscheidender Unterschied zwischen der Psychologie von Hunden und Primaten ist der: sobald sich jemand verletzt oder Angst hat, neigen wir Primaten dazu, sofort eine riesen Sache daraus zu machen und denjenigen zu trösten – danach geht es uns allen besser, egal ob Kind oder Erwachsener. Mit Hunden ist das allerdings ein bisschen anders. Wenn unser vierbeiniger Freund vor etwas Angst hat oder sich weh tut und wir sofort ausrasten und ihn mit Trost und Liebe überschütten, wird das Problem nur noch größer und die Angst wird geschürt. Schließlich wird der Hund dadurch nur noch ängstlicher.
Wenn also irgendetwas passiert, sollte man am besten ruhig bleiben, sich zusammenreißen und Selbstvertrauen ausstrahlen. „Schon in Ordnung, nix passiert,“ tröstet Bello schon genug. Er fühlt sich so sicher und kann sich beruhigen. Natürlich müssen Sie zum Tierarzt, wenn etwas Schlimmeres passiert ist, aber selbst dann sollten Sie sich beiden einen Gefallen tun und nicht laut schluchzen oder Dinge sagen wie, „Oh neeein, mein kleiner süßer Schaaatz!“
Eine weitere Sache, die die Hundedenkweise von der von Primaten (oder zumindest Menschen) unterscheidet, ist – und genau das lässt uns Hunde auch so toll finden – dass sie wirklich im Jetzt leben. Sie sind wahre Zen-Meister. Leider ist es so, dass viele menschliche Hundebegleiter ihre Hunde versehentlich zwingen, in der Vergangenheit zu leben; besonders häufig kommt dies bei Hunden aus dem Tierschutz vor, die ihre Hunde immer wieder an seine traurige Vergangenheit erinnern. Mit jedem „Oh mein armes kleines Schätzchen, du musstest schon so viel ertragen!“ lassen wir meist Grenzen, Regeln und Struktur schleifen, geben zu viele Leckerlis und verbreiten ein Gefühl von Traurigkeit und Unbehagen.
Wir müssen die Vergangenheit ruhen lassen und im Hier und Jetzt leben – zu unserem eigenen Wohl und dem unserer Hunde. Umso mehr wir bereuen, umso mehr Zeit verschwenden wir. Hunde tun das nicht. Sie schwelgen nicht in vergangenen Erinnerungen oder machen sich Sorgen über ihre Zukunft. Sie leben einfach im jetzigen Moment und machen das Beste daraus. Also: lernen wir von unseren Gefährten und lassen wir alte Erinnerungen ruhen. Sehen Sie Ihren Freund einfach als das, was er ist und behandeln Sie ihn auch so – er wird es lieben!

Mittwoch, 12. November 2008

Die große Leinwand bringt großes Leid für Hunde


Dieser Eintrag wurde geschrieben von meiner Kollegin aus den USA, Lindsay Pollard-Post. Beverly Hills Chihuahua kommt 2009 übrigens auch in unsere Kinos…

Schon Wochen vor dem Start des neuen Disney Films „Beverly Hills Chihuahua“ hat sich das Tierheim, in dem ich regelmäßig aushelfe, auf die Premiere des Films vorbereitet – nicht jedoch, indem sich die Mitarbeiter Karten gesichert haben, sondern indem zusätzliche Zwinger für kleine Hunde bereitgestellt wurden. Sie wissen genau, dass in nur wenigen Monaten duzende ausgesonderte „Papis“ und „Chloes“ (die Filmhelden) die Tierheime bewohnen werden.

In Tierheimen freut man sich nicht gerade auf süße Tierfilme. Nach dem berühmten Film „101 Dalmatiner“ aus dem Jahr 1996, gingen unzählige Familien los, um sich einen Hund, wie die aus den Filmen, nach Hause zu holen. Nach einigen Monaten wurden viele Dalmatiner ins Tierheim gebracht, als ihre Herrchen und Frauchen feststellten, dass sich die kleinen süßen Racker in große gefleckte Tornados verwandelt hatten, deren Energie scheinbar endlos war und die am liebsten auf Schuhen herumkauten.

Einige Dalmatiner hatten Glück und fanden ein schönes neues Zuhause mit Menschen, die sie ihrer Persönlichkeit und nicht ihrer Flecken wegen liebten. Viele andere hatten nicht soviel Glück und mussten schlussendlich eingeschläfert werden.

Nun fürchten viele Tierheime, dass sich dieser Trend mit Chihuahuas wiederholen wird. Massenzüchter, die Hunde unter verdreckten und rauen Bedingungen aufziehen und Privatpersonen wie auch Zooläden beliefern, werden versuchen, aus diesem Boom Profit zu schlagen, indem sie so viele kleine Chihuahuas wie nur möglich „produzieren“.

Diese Chihuahua-Babys werden nicht nur den Hunden ein potentielles Zuhause wegnehmen, die im Tierheim sitzen und auf eine neue Familie hoffen, viele von ihnen werden auch selbst im Tierheim landen, wenn ihre Käufer realisieren, dass die Hunde viel mehr Arbeit machen und nicht so perfekt trainiert sind, wie die Hunde im Film.

Menschen, die mit Welpen schnell und viel Geld verdienen wollen, verraten den Käufern wohl kaum, dass ein Chihuahua, ohne die nötige Erziehung, ein sehr selbstsicherer und sogar bissiger Hund mit einem übertriebenen Beschützerverhalten werden kann oder dass diese Rasse für kleine Kinder nicht geeignet ist, weil sie die kleinen Tiere leicht ungewollt verletzen können (Chihuahuas haben in ihrem Schädel einen „weichen Fleck“, ähnlich dem vom Menschen; bei einigen Hunden wächst er niemals komplett zu).

Chihuahuas sind zwar klein, benötigen jedoch genauso viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit wie jeder andere Hund. Man muss mit ihnen trainieren, sie Gassi führen und pflegen. Außerdem kommen Tierarztkosten auf einen zu und natürlich muss man bereit sein, den Hunden jede Menge Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn Sie wirklich bereit sind, Ihre Zeit, Energie, ihr Geld, ihre Aufmerksamkeit und Liebe in einen Hund zu investieren, dass gehen Sie bitte in Ihr örtliches Tierheim und erkundigen sich dort nach Tieren, die ein neues Zuhause suchen. Und seien Sie offen, was den Typ Hund angeht, nach dem Sie suchen – wahre Freundschaft gibt es in vielen verschiedenen Farben, Formen und Größen. Vielleicht überrascht es Sie zu merken, dass der Hund, mit dem Sie sich sofort verbunden fühlen, kein Beverly Hills Chihuahua, sondern ein netter Tierheim-Mischling ist.

Selbst Rusco, der Hund, der in dem Film Papi spielt, wurde aus einem Tierheim gerettet und ist ein Mischling. Aber sogar wenn Sie sich ganz sicher sind, dass es ein Chihuahua sein soll, werden Sie sicherlich in einem Tierheim in Ihrer Umgebung fündig – spätestens einige Monate nach Filmstart.

Donnerstag, 6. November 2008

Glauben Sie nicht alles, was der Tierarzt Ihnen sagt


Ich persönlich hatte niemals ein Problem damit, Autoritäten in Frage zu stellen. Gerade deshalb schockiert es mich immer wieder, wenn mir Freunde und Bekannte erzählen, dass Sie jede Behandlung, die Ihnen Ihr Tierarzt empfiehlt, ohne Nachzufragen hinnehmen. So geben sie ihrem Hund oft ein Medikament, von dem sie nicht einmal wissen, was es ist oder sie kennen schlichtweg nicht den Namen der Krankheit, die der Hund überhaupt hat. Sie legen die komplette Verantwortung für das Wohlbefinden ihres Hundes in die Hände des allwissenden Tierarztes. Ich glaube, dass dieses blinde Vertrauen von der Tatsache herrührt, dass ein Tierarzt als Autoritätsperson gilt, die jede Menge Qualifikationen und Erfahrungen hat. Viele Menschen sehen allerdings nicht, dass Tierärzte auch nur Menschen sind. Manche von ihnen haben gewisse Neigungen (Tierchirurgen operieren vielleicht gerne) und man darf auch nicht vergessen, dass nicht alle einen 1+ Abschluss in der Tasche haben.
Ich kann gar nicht häufig genug erwähnen, wie wichtig es ist, Autoritäten in Frage zu stellen. Blindes Vertrauen kann schreckliche Konsequenzen mit sich bringen, was im Milgram-Experiment (http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment) klar ersichtlich wurde; in dem Experiment waren zwischen 61 und 66% der Teilnehmer bereit, einem anderen Menschen einen tödlichen Elektroschock (450 Volt) zu verabreichen, nur weil sie diese Anweisung von einer Autoritätsperson erhalten hatten.
Ich finde das extrem beängstigend – in diesem Fall möchte ich mich aber darauf beziehen, wie sich diese Mentalität auf das Wohlbefinden Ihres Hundes auswirken kann. Vor kurzem hatte mein 6-jähriger Hund Dexter, der normalerweise fit und für jeden Spaß zu haben ist, auf einmal keinen Appetit mehr. Ich gab ihm sein Futter und er kam einfach nicht. Sein Verhalten änderte sich nicht und so machte ich mir langsam Sorgen. Ich ließ einen Bluttest machen und es wurden niedrige Schilddrüsenwerte nachgewiesen. Die Tierärztin empfahl mir deshalb einen weiteren Schilddrüsentest, der das gleiche Ergebnis hervorbrachte. Sie empfahl mir daraufhin wärmstens, Dexter einfach für den Rest seines Lebens ein synthetisches Schilddrüsenhormon (Thyroxin) zu geben. Deshalb konsultierte ich noch zwei weitere Tierärzte, unter denen eine Ärztin war, die ich für ganzheitlich hielt, da sie auch Akupunktur und Chiropraktik anbietet. Alle waren sich jedoch einig in der Diagnose.
Ich kam dem Rat nach, da sich alle sehr sicher waren. Allerdings ging es mir bei der Entscheidung nicht gut – Dexter zeigte keine anderen Symptome von niedrigen Werten und der Gedanke, ihm jahrelang synthetisches Thyroxin zu geben, erschien mir wirklich besorgniserregend. Ich konnte mich damit einfach nicht zufriedengeben und suchte deshalb eine vierte holistische Tierärztin auf, der ich wirklich vertrauen konnte. Sie war vor meinem Umzug meine Tierärztin gewesen und ist eine wahre Perfektionistin, was ganzheitliche Behandlungsmethoden angeht.
Dies war der Wendepunkt in meiner Geschichte. Die Ärztin untersucht Dexter, sah sich seine Unterlagen an und sagte dann: „Er hat keine Unterfunktion.“ Sie zählte mir einige Punkte auf, die gegen eine solche Diagnose sprachen und machte mir klar, dass niedrige Schilddrüsenwerte auf viele Probleme hinweisen können, die mit einer Unterfunktion rein gar nichts zu tun haben. Dexter hat in der Tat einige gesundheitliche Probleme, die zu diesen Werten beigetragen haben können, wie zum Beispiel ein steifes Bein (was noch mal eine ganz andere Geschichte ist). Die Ärztin riet mir, das Medikament abzusetzen und gab mir stattdessen ein pflanzliches Mittel, das ich Dexter eine Zeit lang geben sollte. Gerade mal 3 Wochen später geht es Dexter wieder gut und er hat einen Bärenhunger!

Ich frage mich, wie viele Menschen dem Rat wohl einfach, wie ich auch, gefolgt wären und ihren Hund unter Druck ein Leben lang unter Medikamente gesetzt hätten – wahrscheinlich zwischen 61 und 65%... Dies hätte zur Folge die Schilddrüse auf lange Sicht wahrscheinlich geschädigt und den Hund vollkommen von synthetischen Hormonen abhängig gemacht.
Und die Moral von der Geschicht’: Bilden Sie sich eine eigene Meinung über die Aussagen Ihres Tierarztes! Sie allein sind für das Wohlbefinden Ihres Hundes verantwortlich – wenn Ihnen also etwas komisch vorkommt, fragen Sie nach! Fragen Sie nach Alternativen und holen Sie im Zweifelsfall eine zweite Meinung ein – wenn es sein muss, auch eine dritte oder vierte. Und bitte suchen Sie auch immer nach holistischen Alternativen. Informieren Sie sich im Internet und Sie werden staunen, wie viel Sie auf diese Weise lernen können. Sie – und nicht Ihr Tierarzt – müssen sich für Ihren Hund starkmachen.
Und was Tierärzte im Allgemeinen angeht: natürlich habe ich nichts gegen Tierärzte! Ich weiß ihre Arbeit sehr zu schätzen. Was ich mit diesem Eintrag lediglich sagen will: wir sollten auch die Tierärzte unseres Vertrauens als Menschen, nicht als Götter, ansehen.