Mittwoch, 13. Mai 2009

Eine Autofahrt zum Heulen

Wir freuen uns, diese Woche wieder einen Beitrag von Hundeexperte Martin Rütter veröffentlichen zu dürfen. Mit diesem Eintrag bleibt Ihnen noch genug Zeit zum Üben, bis es mit dem Vierbeiner in die Sommerferien geht!

Foto: M. Grande

Viele Hunde bellen oder jaulen während der Autofahrt. Dies ist nicht nur störend für den Autofahrer und alle Mitfahrenden, es kann sogar gefährlich werden, wenn der Lautstärkepegel so ansteigt, dass sich der Fahrer nicht mehr richtig konzentrieren kann.

Viele Hunde jaulen während der Autofahrt, weil sie es einfach nicht ertragen können, dass sie nicht beachtet werden. Normalerweise beschäftigt sich der Mensch den ganzen Tag immer wieder mit seinem Hund, spricht pausenlos auf ihn ein und liest ihm jeden Wunsch sozusagen von den Lippen ab. Und nun soll er einfach im hinteren Bereich des Autos warten, der Mensch konzentriert sich auf den Verkehr und beachtet den Hund nicht. Diese Ignoranz ist der Hund nicht gewohnt. Und so fängt er an, auf sich und seine Wünsche aufmerksam zu machen. Anfangs erfolgt dies durch ein leises Fiepen, später kann es sich zu einem fordernden Jaulen mit einzelnen Belllauten zwischendurch steigern. Und was macht der Mensch? Anfangs versucht er den Hund noch zu beruhigen. Sätze wie: „Nun warte doch, wie sind ja gleich da!“ oder „ Wir fahren ja zur Hundewiese, es dauert nicht mehr lange!“ sind nur zwei Beispiele dafür. Der Hund lernt aber dadurch, dass er mit seinem Verhalten etwas erreicht hat. Der Mensch hat zwar nicht angehalten, um sich ganz um seinen Hund zu kümmern, aber er hat zumindest auf die Unmutsäußerung des Hundes reagiert. Die Folge davon ist, dass der Hund seiner Forderung immer lauter und deutlicher Ausdruck verleiht. Und wenn dann auch noch genau im Moment der lautstärksten Äußerung der Mensch sein Ziel erreicht hat, anhält und mit dem Hund zu einem Spaziergang aufbricht, denkt der Hund, dass sein Verhalten genau richtig war: Er hat erreicht, was er wollte.

Daher muss man in einem solchen Fall den Hund vollkommen ignorieren. Man darf ihn nicht ansehen, nicht ansprechen und schon gar nicht anfassen und streicheln, denn jede Reaktion des Menschen würde den Hund in seiner Auffassung bestärken! Selbst ein Schimpfen mit dem Hund ist da letztendlich nichts anderes als eine Reaktion auf die Wünsche des Hundes, eine Form der Aufmerksamkeit! Beim Training legt man dann zwischendurch auch Fahrpausen ein, in denen wiederum nichts passiert. Der Mensch kann sich z.B. ein Buch oder eine Zeitung mitnehmen und gemütlich im Auto sitzen bleiben und lesen. Wenn sich der Hund nun nach einer Zeit gemütlich hinlegt, fährt man wieder los und beendet das Training. Der Hund wird nach der Pause also nicht etwa aus dem Auto geholt, um etwas mit ihm zu unternehmen. Dann würde es ihm nämlich von Mal zu Mal schwerer fallen, zu entspannen, da er weiß, dass bald etwas Tolles passieren wird. Und wer kann da schon entspannt liegen bleiben?

Auch bei der Ankunft zu Hause darf der Hund erst aussteigen, wenn er vollkommen ruhig ist. Jammern darf nie belohnt werden! Wichtig ist bei diesem Training also, dass der Hund nicht ein einziges Mal in seinem Verhalten bestärkt werden darf. Denn wenn der Mensch es nur einmal eilig hat und der Hund aus dem Auto aussteigen darf, obwohl er noch jammert, wird sich das Verhalten noch stärker zeigen, als vor dem Training. Dann wirkt nämlich das Prinzip der variablen Verstärkung: Ein Verhalten, das nicht immer sondern unregelmäßig belohnt wird, führt dazu, dass der Hund dieses Verhalten immer öfter zeigen wird. Denn er weiß ja nie, wann es sich wieder einmal lohnt!

Weitere Infos von und über Martin Rütter sowie seine aktuellen Tour-Termine finden Sie unter: http://www.ruetters-dogs.de/

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

An diese These glaube ich nicht.....

Das Dog Blog Team hat gesagt…

Lieber Leser,

probieren Sie den Vorschlag doch einmal aus und berichten Sie uns davon - schließlich gibt es viele Möglichkeiten, die zum Ziel führen :)

Anonym hat gesagt…

Ich kann dem geschriebenen nur zustimmen-aus eigener Erfahrung!
Wobei das Ignorieren des Hundes für uns Zweibeiner schwer ist. Ich hab mir einen Zettel ans Amaturenbrett geklebt, wo drauf stand "Hund nicht ansprechen oder kommentieren". Nach einer Weile war Ruhe.

Anonym hat gesagt…

wir ahben das ungefähr 1 halbes jahr probiert, es hat sich aber nicht verbessert, sondern eigentlich nur verschlechtert...Eigentlich sind wir große fans von martin rütter und waren auch bei seinen shows, aber diesmal hat es leider nicht geklappt!
lg