Donnerstag, 16. Oktober 2008

Denken Sie langfristig!


Als ich diese Woche verschiedene Internetportale auf der Suche nach einem Schrank durchforstete, fielen mir immer wieder Anzeigen á la „Hund sucht wegen Zeitmangel ein neues Zuhause“ auf. Was denken sich manche Menschen eigentlich dabei, wenn Sie einen Hund zu sich holen? Haben sie nur die Kuschelabende und lange Spaziergänge bei Sonnenschein im Kopf? Wenn Sie in Erwägung ziehen, einen Hund aus dem Tierheim zu sich zu holen (warum Sie niemals einen Hund beim Züchter kaufen sollten, können Sie nächste Woche hier auf PETAs Dog Blog lesen!), sollten Sie sich einige Sachen unbedingt vorher überlegen…
Wie verbringen Sie Ihre Tage – an Wochentagen wie am Wochenende? Besuchen Sie Kurse, machen Sie Sport, arbeiten Sie Vollzeit oder sind Sie manchmal 1 oder 2 Tage nicht zu Hause? Wenn Sie alleine leben und den ganzen Tag auf der Arbeit sind, sollten Sie den Gedanken, einen Hund bei sich aufzunehmen, erst noch einmal gründlich überprüfen! Können Sie den Hund mit auf die Arbeit nehmen? Haben Sie eine langfristige Möglichkeit, Bello gut tagsüber unterzubringen? Sogar wenn dies der Fall ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dennoch genug Zeit für Ihren neuen Begleiter aufbringen können – schließlich richtet er sein Leben zwangsläufig nach Ihren Plänen aus und hofft, dass Sie sich endlich mit ihm beschäftigen. Ein Spaziergang am Tag und ein paar Leckerlis sind einfach nicht genug!
Sehen Sie es niemals als selbstverständlich an, dass Ihr Hund „sowieso wartet, bis Sie Zeit haben“; natürlich kann er einige Stunden alleine bleiben, wenn Sie einen Arzttermin haben oder ins Kino wollen, aber Sie sollten dabei immer bedenken, dass dies nicht die Regel sein sollte! Er freut sich den ganzen Tag auf die Zeit mit Ihnen – auf lange Spaziergänge, auf Besuche bei Hundefreunden, auf Zeit zum Spielen. Stellen Sie sich vor, wie er sich fühlen muss, wenn Sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommen nur um ihn kurz zu streicheln und dann zum Step-Aerobic zu fahren?
Außerdem sollten Sie folgendes testen, bevor der Vierbeiner bei Ihnen einzieht: stehen Sie an einem Samstagmorgen früh auf, sehen Sie sich den Schneeregen draußen an und überlegen Sie sich, ob Sie damit kein Problem hätten. Klar, im Sommer sind lange Spaziergänge mit Ihrem Freund ein Traum, auch bei schöner Schneelandschaft – aber Bello will auch bei schlechtem Wetter seinen Bewegungsdrang ausleben!
Wie sehen die nächsten 10-15 Jahre bei Ihnen aus? Wie wird Ihre Wohnsituation sein? Wollen Sie vielleicht auswandern oder eine Weltreise machen? Denken Sie immer daran, dass Sie für jemanden verantwortlich sind!
Ich weiß, all diese Dinge, sowie Ihre „Urlaubsvertretung“, Tierarztkosten etc gelten als allgemein bekannt, aber mir fällt immer wieder auf, wie viele Menschen sich diese Argumente zwar theoretisch überlegen, sich aber nicht wirklich in die Situation versetzen. Natürlich ist das Zusammenleben mit einem Hund toll! Genau wie bei einem Kind übertreffen die schönen Momente die weniger schönen bei weitem – aber trotzdem sollten Sie sich in jedem Fall über beide Seiten bewusst sein! Für ein fühlendes Wesen gilt kein Rückgaberecht!

Kommentare:

Katharina von der Leyen hat gesagt…

Sicherlich ist es richtig, dass viele Menschen sich nicht rechtzeitig klar machen, was es bedeutet, die Verantwortung für einen Hund zu übernehmen. Tatsächlich findet man in Kleinanzeigen merkwürdig viele Anzeigen, in denen von überraschenden Allergie-Entwicklungen die Rede ist. Trotzdem habe ich kein gutes Gefühl, wenn man einfach harte Pauschal-Urteile abgibt: Tatsächlich ahnen viele Leute nicht, WIE anstrengend manche Hunde sein können. Und Tatsache ist auch, dass niemand voraussehen kann, wie die nächsten 12, 15 Jahre aussehen. Menschen geraten immer wieder in Siutationen, die sie sich nie gewünscht haben, Freiberufler stellen fest, dass sie sich die Selbstständigkeit schlicht nicht mehr leisten können - und es zeitlich einfach nicht schaffen, vor und nach einem acht- bis neun Stunden-Job noch mindestens eine Stunde mit dem Hund durch Wiesen zu rennen, oder bekommen absurde Schichten aufgezwungen, Menschen bekommen Kinder und sind der Situation nicht gewachsen, manche Leute können sich aufgrund einer veränderten wirtschaftlichen Situation schlicht kein Futter und keine Tierarztbesuche mehr leisten - oderoderoder. "Gute" Hundehalter finden eine Lösung, selbst wenn sie nach Jahren das Bedürfnis haben, eine Weltreise zu machen, die dem Hund und ihnen paßt. Die anderen, die, die sich eben trennen wollen, haben auch keinen Hund verdient (das ist doch wie in Beziehungen: Wer mich nicht will, soll mich auch nicht bekommen).
Und wenn man diesen Gedanken weiterspinnt: Ja, die Menschen haben immer eher lange Spaziergänge über sommerliche Wiesen im Kopf und Kuschelabende auf dem Sofa, als Hunde, die Döner aus dem Rinnstein fressen und ihn anschließend auf dem Wohnzimmerteppich erbrechen, sie ahnen nicht, wie anstrengend es ist, einem Hund ein artgerechtes Leben trotz Leinenzwanzg und Ordnungsamt zu ermöglichen, sie wissen nicht, dass es echtes Organisationstalent erfordert, zwei Kinder, einen schlechtgelaunten Teenager, einen erschöpften Ehemann und einen jungen, unausgelasteten Hütehund zu jonglieren.
Wir Menschen sind so: Wenn wir uns eine Beziehung wünschen, denken wir auch nicht an die schlechte Laune, die angespannten Situationen, die entsetzlichen Streits, die Langeweile, die zwangsläufig auch zu einer Beziehung dazu gehören. Obwohl man es ja eigentlich längst wissen müßte.
Auch ich muß mich täglich mit den Ungerechtigkeiten auseinandersetzen, die Tiere erfahren. Aber Pauschalverurteilungen bringen uns nicht weiter. Es hilft mehr, den Leuten zu helfen, sie rechtzeitig zu beraten, denn eigentlich wünschen sie sich etwas Gutes, etwas Warmes, etwas Fröhliches in ihrem Leben.
Seien Sie gnädig.
Herzlich, Katharina von der Leyen

Karen und Nadja hat gesagt…

Liebe Katharina,

danke für Ihren Beitrag. Unser Beitrag sollte auf keinen Fall so rüber kommen, dass alle Menschen, deren Lebenssituation sich ändert, pauschal verurteilt werden! Sicher können immer wieder unvorhergesehene Situationen eintreten - doch wie Sie schon sagen: ein Mensch, dem etwas an seinem Hund liegt, findet eine gute Lösung für das Problem. Der Eintrag sollte lediglich auf die Realität der Hundehaltung hinweisen und ansprechen, dass es leider zu viele Menschen gibt, die sich dieser Realität vielleicht nicht ganz bewusst sind. Danke für Ihre Anregungen und viele Grüße aus Gerlingen! Nadja